Re: Was ein Politiker sagt und was die Presse schreibt...
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Was ein Politiker sagt und was die Presse schreibt...
17.06.2017 18:40:52
...am Beispiel von BK Kern, der in einem Pressegespräch zum Thema "Schließung der Mittelmeerroute" das Wort "Vollholler" verwendet hat. Das hat diePresse.com geschrieben:

...
Einen „populistischen Vollholler“ nannte Kern dafür die von Außenminister Sebastian Kurz propagierte Schließung der Mittelmeerroute. Das sei eine reine Ankündigung ohne konkrete Vorstellung.
...


Hier das Transskript von F. Klenk:



https://m.facebook.com/photo.php?fbid=796160030556388&id=100004871944193&set=a.107139316125133.13370.100004871944193&source=48&ref=bookmarks

Kern, das Mittelmeer und der "Vollholler".

Eine Präzisierung und Abschrift aus einem Hintergrundgespräch. Christian Kern wird gerade durch die Sozialen Medien gewatscht, weil er bei einem Hintergrundgespräch die Schliessung der Mittelmeerroute als "Vollholler" bezeichnet hat So zitierte es "Die Presse", obwohl Kern darauf verwies, dass ,Vollholler' bitte nicht zu zitieren sei. Was aber war der Kontext der Aussage? Hier ein wörtliches Transkript des Hintergrundgesprächs vom vergangenen Donnerstag, bei dem ich auch anwesend sein konnte (Veröffentlichung mit Zustimmung des Büro Kern):

Frage Presse: Um das Problem nachhaltig zu lösen, muss man die Mittelmeer-Route schließen.

CK: Das ist ehrlich gesagt - das ist der nächste populistische - Sie streichen das Wort, das ist feiertägliche Aussprache - der nächste populistische Vollholler. Weil, wie soll denn das gehen? Ich bin oft genug unterwegs gewesen, letztens in Ägypten: Wir haben mit den Emiraten geredet, ob die uns dort helfen können. Der entscheidende Punkt ist dort, schafft du es, dass die Menschen dort vor Ort bleiben oder nicht. Da gibt es eine Reihe von Iniatitiven, die in Österreich kaum beachtet worden sind, von Senegal, bis Tschad, bis Niger von der Europäischen Kommission, wo wir uns solidarisch engagieren, um möglichst Menschen dort vor Ort zu versorgen.

Jetzt ist das große Gebot der Stunde: Schaffen wir weitere solche Hubs an der Nordküste Afrikas zu kreieren. Wir haben das bei Tunesien diskutiert, intensiv auch mit Ägypten, Libyen ist ein Sonderfall, weil in Wahrheit ein Failed state. Wenn du mit denen intensiv redest, und ich habe das gemeinsam mit Angela Merkel getan. Und du sagst: Ok, sagt uns die Größenordnung, ihr füllt den Betrag aus - dann sagt der ägyptische Präsident: Ihr könnt uns soviel gar nicht zahlen. Das Problem für uns ist, wenn wir 500.000 Leute auf unserem Boden haben, dann hab ich eine verdammte Angst, dass das zur nächsten terroristischen Brut- und Keimzelle wird. Und der sagt, ihr solltet das auch nicht wollen, weil die Wahrheit ist, wenn wir destabilisiert werden, dann habt ihr das nächste Problem.

Wenn wir das also tun wollen - Mittelmeerroute schließen, dann müssen wir 2 Dinge tun: 1. Für geordnete Verfahren sorgen, eine Quote und Methode, wie Leute auf regulärem Weg nach Europa kommen können. Das ist der erste wichtige Punkt, um denen zu zeigen, ok, in gewissem Maße ist das möglich, aber nicht völlig ungeordnet. und die zweite Geschichte, die wir zu tun haben ist uns entschlossen hinzustellen und zu sagen: wir investieren in die Entwicklung dieser Regionen. dann reden wir über eine Summe, realistisch betrachtet, wo man, wenn man sagt „Mittelmeerroute schließen“, auch dem österreichischen Steuerzahler sagen muss, was das kostet.

Das ist wie mit der Steuerreform, ich bin der Meinung, alles das kann man tun, aber dann muss man auch so ehrlich sein, und uns hinstellen und sagen, was sind die Konsequenzen dieses Handelns. Was bedeutet das eigentlich alles. Ich bin dafür, dass wir die Mittelmeerroute schließen, ich bin für Freibier für alle und die Lohn- und Einkommenssteuer halbieren - wenn wir wissen, wie wir das funktionierend hinkriegen. Zwischenfrage Italien: Das muss man auch mit Sorge sehen, was da in Italien passiert: Sie haben in Italien permanenten Zuzug und gleichzeitig permanent gleich bleibende Zahlen über die Beherbergung der Leute.

Man muss sich ja mal mit der Frage auseinandersetzen, wo sind die Leute hin? Das Italien wohl langsam an seine Grenzen kommt, ist für den Rest Europas ein riesiges Problem - nur: Ich bin nicht gegen die Mittelmeerrouten-Schließung. Ich will nur eine Antwort haben, wie es geht. Das ist mein Punkt. Und vielleicht ist das eine desillusionierende Aussage, aber wir müssen die EU-Kommission bei ihrem Plan - zu schauen, dass in jedem Land Nordafrikas Hubs entstehen, Bedingungen verbessert werden, unterstützen.

Deshalb hat die Merkel ja jetzt bei dem G20-Gipfel Afrika auf die Tagesordnung gesetzt. Das ist kein Zufall - Jeder in Europa weiß, dass das die entscheidende Frage ist. Wir brauchen nicht Presseaussendungen, sondern wir brauchen Lösungen für die Sache. Mit Ägypten glaube ich, können wir schaffen, dass die mal 3,4 Boote aus dem Meer fischen und die Leute an ihre Küste bringen werden. Was ein symbolisches Signal wäre, an dem arbeiten wir gerade. Europa hat hier auch gerade eine Kreditlinie geöffnet, wahrscheinlich werden wir uns da als Europa sehr viel mehr engagieren müssen, auch, was den IMF dort betrifft.

Aber ich bin dagegen, dass man sich hinstellt, sagt, „das ist die Lösung“, wenn man in Wahrheit keine Lösung hat."



Das hätte man also auch ganz anders zusammenfassen können. Das ist aber ganz offensichtlich nicht gewollt. Die Presse will den Konflikt. Daher bleibt es für mich ein konservativ-reaktionäres Drecksblatt.



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