wie fotographiert man ein Begräbnis?
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Re(2): wie fotographiert man ein Begräbnis?
28.05.2009, 15:37:04
ich finde das nämlich absolut geschmacklos.


Fotografieren ist *NIE* geschmacklos! Weder bei einem Begräbnis noch sonst wo! Äusserstenfalls störend, aber nie geschmacklos.


"Etwas geschmacklos" ist es allenfalls, beim Begräbnis eines Mannes, den man ermordet hat, aufzutauchen und dort die trauernde Tochter anzubraten.

"Ziemlich geschmacklos" ist es, wenn man zuvor auch bereits den Ehemann der Trauernden abgekragelt hat.

Und "echt geschmacklos" ist es, wenn man damit Erfolg hat und die Beste anschliessend heiraten kann.

8-O |-D

Gibts ned? Gibts schon! :-)



-> http://www.archive.org/stream/richardiii06924gut/8gs0410.txt  
1. Akt, 2. Szene.

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Ward je in dieser Laun' ein Weib gefreit?
Ward je in dieser Laun' ein Weib gewonnen?
Ich will sie haben, doch nicht lang behalten.
Wie?  ich, der Mörder ihres Manns und Vaters,
In ihres Herzens Abscheu sie zu fangen,
Im Munde Flüche, Tränen in den Augen,
Der Zeuge ihres Hasses blutend da;
Gott, ihr Gewissen, all dies wider mich,
Kein Freund, um mein Gesuch zu unterstützen,
Als Heuchlerblicke und der bare Teufel,
Und doch sie zu gewinnen!  Alles gegen nichts!  Ha!
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Und bekanntlich gibt es in keinem Theaterstück, Film oder Buch irgendeine soziale Situation, die es nicht vorher schon in RL gegeben hat. >:-D B-)


Yesterday’s heresy is tomorrow’s truth.
28.05.2009, 17:47 Uhr - Editiert von iraki, alte Version: hier
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Re(2): wie fotographiert man ein Begräbnis?
28.05.2009, 19:33:31
ich finde das nämlich absolut geschmacklos.

Ich muss dir sagen, dass du mit deiner Meinung ziemlich allein sein wirst bei einem Begräbnis, das auf Wunsch der Hinterbliebenen dokumentiert werden soll.

Und ich sage dir aus Erfahrung vieler Begräbnisse, zu denen ich als Fotograf gebeten wurde, dass bislang noch kein einziger Teilnehmer an Begräbnis und "Leichenschmaus" an mich herangetreten ist, um mich zu bitten, ihn nicht mit auf die Bilder zu bringen. Einem solchen Wunsch hätte ich natürlich immer entsprochen.
zudem gehe ich mal davon aus, dass nicht alle begräbnisteilnehmer über die fotoaufnahmen in kenntnis gesetzt werden. möglicherweise könnte man das sogar als eingriff in die privatsphäre empfinden.

Die Dokumentation eines Begräbnisses hat nicht nur den Sinn, den letzten Gang eines Menschen zu dokumentieren, sondern auch zu zeigen, dass (möglichst) viele Menschen um ihn trauern. Das ist einerseits für die Hinterbliebenen wichtig, andererseits wollen sich viele Trauernde auch gerne auf den Fotos wiederfinden. Du kommst als Fotograf also gar nicht darum herum, einzelne Personen beim Tritt ans Grab abzulichten, sonst hast du nachher tatsächlich Probleme.

Und, das sollte nicht vergessen werden, es erfolgt eine "Veröffentlichung" in solchen Fällen im familiären Kreis...
wenn ich auf diesem begräbnis wäre, müsstest du aufpassen, dass deine kamera keine grabbeigabe wird.

Du würdest mich als Fotografen bei einem Begräbnis kaum bemerken.
  
Euer CWsoft
persönlich erreichbar unter +43 676 587 8890
28.05.2009, 19:36 Uhr - Editiert von CWsoft, alte Version: hier
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Begräbnis - das Fazit
29.05.2009, 21:46:13
Mal vorweg: Fotos vom offenen Sarg waren explizit nicht gewünscht und wärend der Trauerfeierlichkeit in der Kapelle war ebenfalls Fotographierverbot.

Also rein Halle, geschlossener Sarg, Blumenschmuck (alles geblitzt) - und aus.

Trauerzug war problemlos, am Grab dann wars standortmäßig etwas blöd, da eine Hecke verhindert hat, daß ich mich hinter dem Grab postieren kann. Außerdem waren die Raumverhältnisse (extrem enge und dichte Gräberreihen) etwas hinderlich. Mim 24-70 waren aber Gruppenfotos durchaus möglich und 80-200 war bei den Raumverhältnissen super zu gebrauchen.

Leichenschmaus war sehr simpel, da das ein furchtbarer Raum vom 20x2,5m war, wo man sich kaum bewegen konnte. Außer die Leute der Reihe nach abzulichten war da nicht viel zu machen.

Und all jenen ins Stammbuch, die meinen das sei unnötig, geschmacklos, pietätlos und weiß Gott was sonst noch: Am offenen Grab habe ich meine einzige Rüge bekommen: ich soll doch gefälligst mehr Bilder machen!!!
Und als das Grab zugeschüttet war und die Leute ihre Kränze draufgelegt haben, haben viele extra um ein Foto davon ersucht. Am besten gleich zwei: 1x beim niederlegen und eines vom Kranz, wo man die Aufschrift lesen kann.

Beschwert hat sich niemand, ganz im Gegenteil: das gerahmte Erinnerungsfoto an den Verstorbenen war ein Schnappschuß von mir, das ich vor wenigen Wochen bei der HZ seiner Enkeltochter aufgenommen hab. Statt Prügel gabs daher Ehrenplatz und 1000x aufrichtigen Dank für ein paar (hoffentlich gelungene) Erinnerungsbilder.

Noch eine Anmerkung in eigener Sache: fototechnisch ist eigentlich nicht viel Unterschied zu einer Hochzeit oder einer anderen Großveranstaltung. Eine fremde Beerdigung würde ich jederzeit wieder fotographieren. Ein Begräbnis allerdings, bei dem man den Verstorbenen doch näher gestanden ist, ist nicht einfach. Denn es ist verdammt nochmal nicht leicht, "scharfe" Bilder zu machen, wenn man alles nur mehr verschwommen sieht.

In diesem Sinne - jetzt geh ich mich umhacken, ich brauchs jetzt.

mfg
AVS
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