World Press Photo 2009 - 3. Platz disqualifiziert
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Re(2): World Press Photo 2009 - 3. Platz disqualifiziert
09.03.2010, 10:00:04
es ist ein Bild aus einer Serie über "street fighting" in Kiew/Ukraine.

es ist mir noch unklar, ob er für dieses spezifische Bild den 3. Platz bekam oder eher für die ganze Serie -> hier ist die Seite vor der Disqualifikation zu sehen: http://raphaelgunther.com/blog/?p=1026

Im Kontext fügt es sich das Detailbild ganz gut in die Serie ein, finde ich. Dass der Fotograf besser daran getan hätte, das Bandagieren der Hand schon bei der Aufnahme mit fotografischen Mitteln (näher ran, viel kleinerer Bildausschnitt) als klares Hauptmotiv ins Bild zu setzen, ist klar. Wenn dann durch eine minimal andere Aufnahmeperspektive der störende Fuß im Hintergrund nicht sichtbar gewesen wäre, umso besser.

Ich persönlich halte aber das krampfhafte Festhalten an der irrigen (Wunsch-) Vorstellung einer "Fotografie" die ein "objektiv-wahres Lichtbild der Wirklichkeit darstellt" und jederzeit 100%-ige Beweiskraft in einem gerichtsverfahren hätte, für falsch. Über diese "verklärte Vorstellung" sollten wir doch echt schon seit 100 Jahren hinweg sein. In der Kunst sowieso aber auch im Journalismus.

Den störenden aber völlig bildunwichtigen und informationslosen Fuß im Hintergrund bei diesem Foto wegzustempeln, das Bild extrem zu beschneiden, in körniges S/W umzuwandeln, und den Rand nachträglich abzudunkeln, um weitere störende Bildelemente weitestgehend auszublenden ist natürlich eine "Bildmanipulation" - aber keine, welche das Foto für die journalistische Berichterstattung untauglich machen würde. Der Fotograf hat eben seine Vorstellung davon, wie "street fighting" am besten visualisiert werden könnte, mit digital-fotografischen Mitteln (=bei der Aufnahme und im weiteren workflow der Nachbearbeitung) gestaltet.

Auch wenn ich persönlich die Vorstellungen des Fotografen betreffend den "look" der Bilder eher klischeehaft finde [ungefähr so, wie wenn man gerade ein Hemingway-Buch übers Boxen, illustriert mit S/W Fotografien in den 30er Jahren gelesen hätte :-) ] ist mir seine [nachträgliche] Gestaltung um Welten lieber, als wenn ich gezwungen wäre seine "Ausgangsbilder" out of cam anzuschauen.  ;-)


Persönlich gefallen mir die [nicht-journalistischen], selbstverständlich heftig nachbearbeiteten Werbe-Bilder "vom Boxen" von Maik Scharfscheer für Leica viel besser:

und zwar vor allem die Serie für die Leica M9: http://media.leica-camera.com/res/dnl/de/leica_m9_brochure_de.pdf
http://www.gosee.de/news/photo/maik-scharfscheer-fuer-die-einfuehrungskampagne-der-leica-m9-mit-dem-boxer-yaniel-merino-im-ring-und-fuer-tchibo-auf-ruegen-8206

Seine Bilder für die Leica S2-Kampagne werden dagegen hier im Forum vermutlich noch mehr Anklang finden, "wie ich Euch kenne" :-P ... und ... würdet ihr mit dem Mädl in den Ring steigen? >:-D
http://s.leica-camera.com/havanna/?lang=de



... wenn ich eine Botschaft hätte, würde ich ein Foto schicken! ;-)
09.03.2010, 10:07 Uhr - Editiert von iraki, alte Version: hier
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Re(15): World Press Photo 2009 - 3. Platz disqualifiziert
09.03.2010, 14:01:56
Und das sollte eben das sein, was bei der Aufnahme abgelichtet wurde und nicht
irgendwas zusammengeschustertes. Sonst sind wir bei Stalinistischer
Pressefotografie.


aber geh, tu nicht so dramatisieren ... >:-D

Eine explizite Bildfälschung ("Trotzky raus"; "Rauch nach Bombenangriff rein"-duplizieren oder überhaupt ins Bild einfügen, etc. etc.) und einer "Retouche" eines Fotos, in dem nachträglich störende oder ablenkende Dinge möglichst abgeschwächt oder ganz entfernt werden (mit den verschiedensten Mitteln) um dem wesentlichen Inhalt maximale Präsenz und Aufmerksamkeit zu sichern, ist wesentliche Aufgabe jedes (Foto-) Journalisten bzw. Foto-Redakteurs.  Das hat mit Stalinismus genau gar nix zu tun!

Genau so, wie in der "Zeit im Bild" oder in Qualitätszeitungen ja im Normalfall auch nicht jede Politiker-Äusserung in voller Länge und in direkter Rede gezeigt oder abgedruckt wird [um Gottes willen!!!! 8-O >:-D], sondern eben nur die ganz wesentlichen Teile davon wiedergegeben werden!

Im Journalismus geht es *immer* darum, herauszuarbeiten, was das Wesentliche, der Kern einer Sache ist und den so knapp und prägnant wie möglich als Text, Ton, Standbild oder bewegte Bildfolge mit Ton wiederzugeben. Das ist per se immer "manipulieren" und nie die "objektive Wirklichkeit" [die gibts ned!] - aber wenn es mit dem notwendigen Berufsethos geschieht, ist es eben nicht "manipulativ" oder "verfälscht".



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Re(4): World Press Photo 2009 - 3. Platz disqualifiziert
09.03.2010, 13:48:19
Der Fotograf stellt übrigens in Abrede, dass er mit einem dressierten Wolf fotografiert hat. Und in einem Tierpark war es sicher nicht.

Aus meiner Sicht macht es aber fürs Bild keinen Unterschied, ob in (pseudo-) freier Wildbahn aufgenommen oder im Zoo ... bei ersterem ist der Aufwand höher, das/die gewünschten Viecher vor die Linse zu bekommen. Bei letzterem ist es gelich viel Aufwand, sicherzustellen, dass man als Betrachter keinesfalls merkt, dass es in einem Zoo/Tierpark aufgenommen wurde ... damit jedenfalls die von Krone- und "heute-Lesern weltweit so stark gewünschte Illusion der "ungezähmten, wilden Natur" vermittelt wird. :-)

Und im Bildjournalismus ist es auch "seit jeher" so, dass fast alle "guten" bzw. "interessanten" Fotos zumindest "gestellt", wenn nicht überhaupt "von A bis Z inszeniert" sind. Das war schon bei Capa's angeblich sterbenden Soldaten im spanischen Bürgerkrieg so.  http://www.zeit.de/2009/31/Robert-Capa?page=all  und das haben wir ja auch schon im forum mehrfach diskutiert.

Jeder, der selbst fotografiert weiß es doch ganz genau aus eigener Erfahrung: "ungestellt" bzw. "spontan" gute Fotos von Menschen oder gar bestimmten Geschehnissen, Situationen, Interaktionen zu bekommen, erfordert neben hohem Können meist auch geradezu unglaubliches Glück (right time, right place, right perspective etc.etc.).

Das kann man sich als Hobby-Fotograf vielleicht sogar leisten ... wenn einem das wirklich so wichtig ist ...  aber als Fotojournalist keinesfalls. Time is money.



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