Re(4): Filmindustrie verklagt Provider UPC
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.  Re: Filmindustrie verklagt Provider UPC  (Benschman am 02.11.2010, 18:01:40)
..  Re(2): Filmindustrie verklagt Provider UPC  (tuvix am 02.11.2010, 18:05:10)
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Re(4): Filmindustrie verklagt Provider UPC
Fly
02.11.2010, 21:33:37
Ein Gesetz das keiner unterstützt ist nicht exekutierbar und nützt nur den Kriminellen. For reference, see prohibition.

Damit ein Gesetz "Sinn" macht muss es von der Bevölkerung getragen werden und jene die es brechen müssen in der allgemeinen Meinung "geächtet" sein. Und damit mein ich nicht das, was Medien als Meinung suggerieren wollen. Ist das nicht der Fall, ist es im Gegenteil sogar irgendwie "schick" das Gesetz zu brechen, dann ist es nicht exekutierbar und keine Strafe der Welt kann das ändern.

In kurz, ein Gesetz, das etwas unter Strafe stellt bei dem der durchschnittliche Bürger nicht zumindest ein klein wenig die Notwendigkeit verspürt es zur Anzeige zu bringen wenn er davon weiß ist für'n Papierkorb.

Und das ist hier lückenlos der Fall. Mal ernsthaft: Würde hier jemand einen Filesharer anzeigen? Ich glaub mal eher würd man ihn fragen ob er denn nicht was "besorgen" kann, oder?

Dabei wär's so einfach für die MI/FI hier trotz Filesharerei Geschäft zu machen. Nur ist halt fraglich, ob sie nicht wie üblich alles verpennt haben und es jetzt zu spät ist daran etwas zu ändern. Nun, wer zu spät kommt, den bestraft das Leben.

Ich habe selten eine Industrie erlebt, die sich mit einer derartigen Vehemenz und mit so viel Nachdruck selbst in den Fuß ballert. Eigentlich an Unfähigkeit und im Erreichen des Gegenteils nur mehr übertroffen vom Krampf gegen den Terror.

Filesharing gibt's solang's das Internet als Massenmedium gibt. Also so ca. 10-15 Jahre nunmehr. Und es war kein Problem bis es anfing den Hypemechanismus der MI auszuhebeln.

Seit den 80ern arbeitete die MI nämlich mit einem recht einfachen Konzept um eine Scheibe von Zero to Hero zu pumpen: Radiostationen bekamen "exklusive vorabpreviews" von ihren neuen Scheiben, die dann rauf und runter gespielt wurden. Kaufen konnte man den Song natürlich nicht. Aber alle wurden drauf geil gemacht. Und auf dem Höhepunkt des Hypes kam die Scheibe schließlich in den Laden. Bumms, alles kauft, instant number-one. Und damit muss das ja 'ne Granate sein wenn die von null auf eins geht, also rollt Welle zwei der Käufer in den Laden und noch mehr von der Hypescheibe wurde verkauft.

Klasse Konzept. Blöd halt dass das mit dem Internet Essig war, weil, najo, gibt's sie nicht zu kaufen, dann eben aus dem Netz gesaugt.

Hier kam die erste Welle der Filesharer. Dialog auf dem Schulhof:

"Möööönsch, wo haste 'n die her, die gibt's doch noch gar nicht! Aufgenommen vom Radio?"
"Red ned blöd, von unserem Klassengeek, das geht über's Internet"
"Echt? Muss ich mir auch Internet zulegen!"

Und die erste Generation Filesharer war geboren.

Wie reagiert man darauf? Nun, das Logische und Sinnvolle wär gewesen, die Scheiben auf den Markt zu schmeissen und möglichst fix dafür zu sorgen, dass keiner erst noch auf die Idee kommt sich über Filesharing zu informieren. Wenn's nicht notwendig ist, wird sich keiner darum bemühen. Musik ist nicht so arg teuer und der Mensch ist bequem, gib ihm was er will und er wird nicht nachdenken.

Was tat die MI? Der Krieg gegen Napster wurde ins Leben gerufen. Erst noch relativ "geheim", wer nicht bereits davon wußte bekam wenig davon mit. Zumindest Teil zwei wurde erfüllt. Teil eins leider nicht. Ein Konzept das 15 Jahre lang funktioniert hat muss mit allen Mitteln am Leben gehalten werden, auch wenn es offensichtlich lediglich dazu führt, dass es von den Kunden umgangen wird.

Und damit kamen wir in den Genuß von Kopierschutzmaßnahmen. Idee: Was man nicht kopieren kann, muss man eben kaufen. Trugschluß: Alles kann man kopieren.

Dialog auf dem Schulhof:
"So'n Kack!"
"Was'n?"
"Hab mir die neue CD von Schlagmichtot gekauft, und die geht ned"
"Trottl. Lad's runter, hast keine Sorgen.
"Wie, runterladen"

Und Generation zwei der Filesharer war geboren. Schnell erkannten Sie, dass man aus der Vorgangsweise:

1. CD kaufen.
2. Rausfinden dass sie im eigenen CD Player nicht geht.
3. Titel im Internet suchen
4. Runterladen

Schritte 1 und 2 ohne Qualitätsverlust weglassen kann. Mehr noch, es wurde auch noch billiger!

Mal ein kleiner Exkurs in die Betriebswirtschaft:
Ich bin jetzt mal die Musikindustrie. Ich habe einen Konkurrenten, der konkurrenzlos billig anbietet. Nämlich gratis. Klar, das Gesetz ist theoretisch auf meiner Seite, aber nützt nix, weil's keinen auch nur die Bohne interessiert. Kann ich ihn schlagen? Ja. Wie? Mehr Service. Genauso wie ein Händler von legaler Ware nur dadurch jemanden, der aus'm Laster verkauft, übertreffen kann dass er Service, Gewährleistung usw. anbietet, genauso müßte nun die MI ihren Kunden "mehr" bieten als sie über Downloads erreichen. Und sei es nur dass es einfacher ist als das Ding mit dem Download. Weniger Aufwand, weniger Probleme, weniger "Arbeit".

Was macht die MI? Sie erzeugt künstlich Probleme für ihre Kunden. Nochmal, zum Mitschreiben: Sie "entwerten" das Produkt künstlich für den Kunden und bieten es teurer an als der Konkurrent Filesharing.

Hätt ich Aktien bei so 'ner Bude ich hätt verlangt dass der Vorstand wegen erwiesener Unfähigkeit hochkant gefeuert wird. Vorzugsweise aus dem Fenster. Was haben die Idioten studiert? Die Hinterteile der Kommilitoninnen? BWL kann's nicht gewesen sein.

Und das Spiel geht weiter und weiter und weiter. Statt dem Kunden zu verkaufen was er haben will, wird weiterhin versucht ihn zu gängeln und zu erpressen. Blöd halt für die Musikindustrie, dass sie keine Lebensmittel verkauft.

Nix essen wär nämlich schwerer.

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There's a typo in the Bible.
It should read "The geek shall inherit the earth".
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