Crypto: Liquidity Mining
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Re(10): Crypto: Liquidity Mining
kpm
23.06.2021 15:28:31
von welchen "Buchgewinnen" spricht du da? Donauland?


;-) Donauland, gute alte Zeit! Das Abo, das man nie wieder los wurde!

Buchgewinn ist ein rechnerischer, nicht realisierter Gewinn. Wie in meinem Beispiel vorher erwähnt: Du erhältst für irgendeine (virtuelle) Leistung (Mining, Staking, Market-Making oder wie auch immer Du das nennen willst) 100 Einheiten irgendeines Gutscheins (Neudeutsch: Coin).

Dieser Coin hat zu genau diesem Zeitpunkt einen für das Finanzamt zu ermittelnden Buchwert, der sich aus Coin mal Kurs errechnet. Davon ist Steuer zu bezahlen.

Du erhältst also angenommen 100 Coins, die laut irgendeinem Marktplatz ("Börse") einem Equivalent von EUR 100,- entsprechen. Dass auf unterschiedlichen Marktplätzen gegebenenfalls unterschiedliche Kurse erzielt werden und auch noch unterschiedliche Spesen zu bezahlen sind, lassen wir mal unberücksichtigt.

Diese EUR 100,- Buchwert (weil das nur in den Büchern steht, Du aber noch keinen 100 EUR Schein tatsächlich in Deinem Geldbörserl hast) darfst Du nun versteuern.

Fünf Minuten später sackt der Kurs um 90% ab. Du beschließt, Deine Coins auf den Markt zu werfen und erhältst abzüglich aller Spesen nur noch EUR 5,-.  

Dann hast Du tatsächlich EUR 5,- Gewinn realisiert, musst allerdings EUR 100,- versteuern.


Ein plastisches Beispiel:
Du bist Obst- und Gemüsehändler und hast einige Äpfel. Zwei Deiner Äpfel borgst Du Deinem Nachbarn. Dein Nachbar gibt Dir Deine zwei Äpfel und als kleines Dankeschön für's Borgen eine Birne zurück. Aus irgendeinem Grund sind Birnen unglaublich gefragt, und eine Birne wird um EUR 100,- gehandelt. Angenommen, Du bist ein einigermaßen gut verdienender und ehrlicher Kaufmann, dann müsstest Du EUR 50,- Einkommenssteuer an das Finanzamt bezahlen (obwohl Du die Birne noch nicht verkauft hast).
Zwei Wochen später bricht der Markt für Birnen ein - und Deine Birne ist nur noch EUR 5,- wert. Dann hast Du, nur weil Du Deine Äpfel hergeborgt und kurz eine Birne besessen hast, plötzlich tatsächlich EUR 45,- weniger in Deiner Ladenkassa.

Das erscheint mir nicht besonders fair.

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Re(8): Crypto: Liquidity Mining
02.07.2021 12:21:21
Der geschichtliche Hintergrund ist, dass man den Finanzinstituten nicht vertrauen kann, weil sie 2008 eine Wirtschaftskrise ausgelöst haben. Daher wurde Bitcoin als eine Alternative entwickelt, die ohne Vertrauen auf ein Finanzinstitut funktioniert.

Alle weiteren Entwicklungen, wie insbesondere Defi haben den selben Hintergrund. Es geht darum Banken und Finanzinstitute als Mittelsmänner überflüssig zu machen. Das funktioniert derzeit noch nicht in allen Bereichen. Aber das ist das Ziel.

Ich gehe davon aus, dass sich Kryptos als Alternative parallel zum staatlichen Finanzsystem entwickeln werden. Die Bedeutung der Banken wird aber ohnehin auch von „innen“ angegriffen. Wenn nämlich die EZB den digitalen Euro einführt, ist es technisch ganz leicht möglich, dass jeder Bürger ein Konto direkt bei der EZB hat. Diese kann dann direkten Einfluss auf die Zinsen und die Wirtschaft nehmen. Wofür braucht man dann noch die Geschäftsbanken? Höchstens als Clearing-Stellen für Kredite.

Dieses Problem wurde auch schon erkannt, weshalb es die Idee gibt, den digitalen Euro, den jeder Bürger besitzen kann, auf kleine Beträge zu beschränken, siehe zb:

https://www.reuters.com/technology/europeans-want-digital-euro-be-private-safe-cheap-ecb-survey-2021-04-14/

A digital euro would give holders a direct claim on the ECB, making it safer than an account held at a commercial bank or a digital wallet.

This has raised some concerns, particularly by Germany's Bundesbank, that people at times of crisis would convert their savings into digital euros, exacerbating bank runs or even upending the financial sector’s business model altogether.


Diese künstliche „Kastration“ des digitalen Euro, um ihn weniger attraktiv zu machen und das Geschäftsmodell der Banken nicht zu gefährden, zeigt schon, dass das System aus dem letzten Loch pfeift. Die Zukunft sieht für Banken nicht gerade rosig aus.

Edit: der ganz große Spass wird dann beginnen, wenn China oder die USA eine leicht nutzbare digitale Geldbörse mit dazugehöriger digitaler Währung auf den Markt bringen. Wenn plötzlich im Internet und vielleicht auch in Geschäften der digitale Dollar oder Renminbi neben dem Euro akzeptiert wird, schauts mit der Kontrolle der EZB über den Finanzmarkt schlecht aus. Vor allem wenn die anderen Währungen erfolgreich werden und viele Menschen sie verwenden. Das werden spannende Zeiten!

02.07.2021, 13:01 Uhr - Editiert von kaufinator1, alte Version: hier
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Re(9): Crypto: Liquidity Mining
02.07.2021 13:17:55
Die Zukunft sieht für Banken nicht gerade rosig aus.


Ja, die zittern schon gewaltig.


1) Selber machen ohne Banken
Hat das Auftauchen von Ikea (Kunde baut selbst) den Möbelmarkt (Möbelbauer baut) zerstört? Nein
Haben OBI & Bauhaus alle Handwerker umgebracht? Nein

2) Bank = Konto & Zahlungsverkehr
Weißt du ungefähr, wie viele verschiedene Bankprodukte & Dienstleistungen es gibt? Ich fürchte NEIN.
https://www.grin.com/document/102248

Derzeit versuchen die Kryptos einige Bankdienstleistungen abzubilden (Zahlungsverkehr, Tresorgeschäft, Tafelgeschäft...). Wenn jetzt Anonymität (die ja Kryptos nachweislich nicht bieten) plötzlich ein Haupttreiber bei den Kunden wird, wird sich der Staat dem Thema stellen müssen und regulierend eingreifen. Denn es kann nicht sein, dass ein Teil der Marktteilnehmer anonyme Geschäftsmodelle anbieten dürfen, ein anderer aber explizit nicht.

3) Kredit & Risiko
Hauptgeschäft der Banken ist Kreditvergabe und Fristentransformation (von 10.000 Meter Höhe aus gesehen). Wie rasch sich hier Billionenschwere Parallelmärkte auf Krypto entwickeln werden, wird man sehen. Das damit einhergehende Risikomanagement ist komplex und ich denke, am Ende wird das ganze wieder bei Unternehmen landen, die dafür eine Banklizenz benötigen werden. Auch weil das volkswirtschaftliche Risiko groß ist, dass Ausfälle u.U. große Bevölkerungsteile in die Armut stoßen können.

4) Währungspolitik, Geldmenge...
Eine zentrale Aufgabe der Staaten ist Währungspolitik. Wenn sie diese vollkommen aus der Hand geben oder rein algorithmisch (zB Golddeckung...) betreiben, kann es zu volkswirtschaftlichen Verwerfungen kommen, die Millionen an Opfern kosten können.  Das weiß man aus der Geschichte. Staaten, die gezwungen waren, externe Währungen zuzulassen, weil die eigene kaputt war, sind fast immer im Chaos geendet. Mit Kriegen, Aufständen & Toten. Leider kein Witz.

5) Volatilität
Eine Währung mit der Volatilität von BTC killt eine Volkswirtschaft, weil die erforderlichen Absicherungsgeschäfte gegen die Volatilität alle Gewinne fressen. Oder man den Außenhandel einstellen muss.


In weiser Voraussicht habe ich den Text gespeichert. Dein Edit wäre sonst tödlich gewesen. ;-)

02.07.2021, 13:22 Uhr - Editiert von Paulas_Papa, alte Version: hier
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