Brennweite ist nicht gleich Brennweite
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Re: Brennweite ist nicht gleich Brennweite
29.05.2009, 12:12:41
Ist Objektivbedingt (Innenfokusierung, Aussenfokusierung, Bauform/Linsenzahl)...
Brennweitenschwund
Außer ihrer scheinbaren Verlängerung kann ein weiteres Phänomen im Zusammenhang mit der Brennweite beobachtet werden - nennen wir es einfach einmal „Brennweitenschwund“. Dieses Phänomen wird besonders deutlich, wenn man verschiedene Telezooms auf die gleiche lange Brennweite einstellt, sie über kurze Entfernungen einsetzt und die Bilder vergleicht.

Bei gleich eingestellter Brennweite und gleicher Entfernung sollte das Motiv immer gleich groß wiedergeben werden und zwar nach der Gleichung

e V = f/(g-f)
wobei V der Abbildungsmaßstab ist, f die Brennweite und g die Gegenstandsweite (die Entfernung zum Motiv). Bei großen Entfernungen kann man darauf verzichten, die Brennweite von der Gegenstandsweite abzuziehen, im Nahbereich aber nicht. Das hat mit unserem Problem aber nichts zu tun, da ja immer die gleiche Brennweite genutzt wird.

Je nach den Objektiven, die am Vergleich beteiligt sind, sind aber teils erhebliche Unterschiede zu beobachten, obwohl die Entfernung gleich ist und dieselbe Brennweite eingestellt wurde. Die Betonung liegt hier auf „eingestellt“. Denn auch wenn am Brennweitenring oder an der Zoomwippe der Wert von beispielsweise 200 mm eingestellt wurde, erfolgte die Aufnahme mit einer kürzeren Brennweite.

Während aber bei der scheinbaren Brennweitenverlängerung ein genauer Zusammenhang zwischen Brennweite, Kleinbildformat und Sensorformat besteht, kann man für den „Brennweitenschwund“ keine Regel aufstellen. Er fällt von Objektiv zu Objektiv verschieden stark aus.

base driven
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Re(2): Brennweite ist nicht gleich Brennweite
29.05.2009, 12:49:34
Na ja der Bildbeschnitt ist ein Anderer bei einem Cropsensor, dadurch glaubt man die Brennweite hat sich verändert was aber eigentlich nicht stimmt.

Wiki erklärt es besser als ich ;-)

(Scheinbarer) Brennweitenverlängerungsfaktor  [Bearbeiten]
Ein ebenfalls zu Formatfaktor synonymer Begriff ist „Brennweitenverlängerungsfaktor“. Er beschreibt das Verhältnis zweier Brennweiten die an unterschiedlichen Aufnahmeformaten denselben Bildwinkel abbilden. So entspricht beispielsweise – bei vorgegebenem Aufnahmeformat – der Bildwinkel einer 2-fachen Ausschnittsvergrösserung (halbe Bilddiagonale, entspricht Cropfaktor 2) dem Bildwinkel einer unbeschnittenen Aufnahme die mit der doppelten Brennweite aufgenommen wurde.

Der Ausdruck „Brennweitenverlängerung“ darf natürlich nicht so verstanden werden, dass eine Änderung des Aufnahmeformates oder ein nachträglicher Bildbeschnitt irgendeinen Einfluss auf die Brennweite des verwendeten Objektivs hätte - diese ist vom Aufnahmeformat völlig unabhängig. Er besagt nur, dass man für eine Ausschnittsvergrösserung (oder entsprechend für ein kleineres Aufnahmeformat) eine dem Formatfaktor entsprechend längere Brennweite benötigen würde um denselben Bildwinkel ohne Beschnitt (Crop) abzubilden.

Wegen der irreführenden Bezeichnung spricht man manchmal auch von einer scheinbaren Brennweitenverlängerung bei einem kleineren Aufnahmeformat.



LG Helli
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Re(6): Brennweite ist nicht gleich Brennweite
31.05.2009, 13:43:17
einen wichtigen Punkt habe ich bisher ausser Acht gelassen:

Die Brennweitenangaben der Hersteller beziehen sich immer auf Scharfstellung auf ***unendlich***.

Bei geringerer Entfernung zum Motiv - wie auch im Test des TO - haben bestimmte konstruktive Merkmale der Objektive tatsächlich einen Einfluss auf die Grösse des abgebildeten Bildausschnitts und damit auf die "tatsächlich anliegende" Brennweite. Objektive mit Innenfokussierung stellen z.B. eben letztlich über die Brennweite scharf. Je näher man an die jeweilige Naheinstellgrenze geht, desto mehr weicht die Brennweite von dem was am Objektiv angeschrieben steht ab!.

Das Phänomen zeigt sich z.B. hier: http://www.traumflieger.de/objektivtest/brennweite/brennweite.php

Das Canon 28-200 hat da definitiv keine 200mm Brennweite, das 55-2000 ist etwas besser, aber oben auch noch zu kurz. Am ehesten stimmen die 200mm beim Sigma 70-300 Zoom - also eben irgendwo in der Mitte des Brennweitenbereichs. Wenn man dann die 300mm des Sigma mit einer teuren 300mm Festbrennweite und einem Objektiv mti echten 70mm vergleicht, stellt sich dann möglicherweise heraus, dass das 70-300 in Wahrheit auch nur ein 80-280 ist. ;-)

Auch wenn die Abweichungen also teilweise "optisch-konstruktiv" begründet sein mögen ist m.E. der Großteil der Abweichungen zwischen Herstellerangaben und tatsächlicher Brennweite schlicht und einfach "Marketingbetrug". :-)



EDIT: m.E. gute Aussagen zum Thema in diesem Post: http://www.dslr-forum.de/showpost.php?p=4192328&postcount=42

auch in dem gesamten Thread http://www.dslr-forum.de/showthread.php?p=4187349  finden sich einige weiter Anhaltspunkte ... neben den diversen Lustigkeiten, die in Internetforen üblich sind ;-)





Yesterday’s heresy is tomorrow’s truth.
31.05.2009, 14:00 Uhr - Editiert von iraki, alte Version: hier
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Re: Brennweite ist nicht gleich Brennweite
29.05.2009, 17:32:51
Jawohl, das ist ein praxisrelevanter Test! B-)

Physikalische Brennweite ist immer gleich und liefert immer den gleichen Bildausschnitt, sofern aus gleicher Entfernung fotografiert wird (eh klar!).

Sofern Du also mit allen 4 Objektiven aus exakt derselben Entfernung aufgenommen hast - sprich, Kamera auf Stativ und zwischen den Aufnahmen nur Objektive gewechselt, ohne das Stativ oder das Motiv zu bewegen, dann zeigt Dein Test nämlich Folgendes:  

***
Wie die Hersteller in vielen Fällen ihre Angaben schamlos "schönen" und ihre Kunden belügen und beschei**en! >:-(
***

Im konkreten Fall vermute ich, dass das 55-200 auf Bild #2 ziemlich genau auf 70mm eingestellt war und diese Brennweite auch liefert, weil in der Mitte des Zoombereichs.

Bei allen drei anderen Objektiven liegen die 70mm an einem Ende des Brennweitenbereichs.

Und, oh Überraschung!!!
* dort, wo 70 mm das untere Ende sein sollten, ist es in Wahrheit MEHR Brennweite - also bei #1, dem Sigma 70-210 geschätzte 80mm
* und dort, wo 70mm die obere Grenze sein sollten, werden die 70mm nicht erreicht, sondern beim 35-70 nur geschätzt 60mm und beim 18-70 geschätzte 65mm.


Auch der putzige Erklärungsversuch anderer Poster, dass die Einstellungsmarken etc. nicht genau stimmen, trifft nicht zu, weil bei 3 Objektiven sind die 70mm jeweils der Endpunkt. Markierung hin, Markierung her.

Für mich ein klarer Beleg, welche "Toleranzen" sich die Hersteller erlauben.

Ist übrigens bei allen Herstellern so. Der Schwindel korreliert generell schon mit dem Preis der Ware, aber keineswegs 1:1 ... d.h. es gibt auch teure "Premium-Objektive" die brennweitenmässig nicht (ganz) das liefern, was drauf steht. >:-(



"Wenn ich die EU wäre" ;-)  ... würde ich das nicht erlauben. Wenn die Hersteller statt einem 70-200mm Objektiv eben nur ein 80-180mmm herbringen, ist das ja kein Beinbruch. Aber nur dann, wenn das Produkt genau so beschriftet ist und vermarktet wird. Nur so wäre ein fairer und vernünftiger Vergleich zwischen den Produkten möglich. Abweichungen >1% gehören hier jedenfalls verboten. Brennweite ist ein ganz wesentliches Produktmerkmal eines Objektivs und kann noch dazu ganz einfach, objektiv und präzise gemessen werden. Keine Ausreden!!!


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Re(6): Brennweite ist nicht gleich Brennweite
02.06.2009, 10:49:33
Stimmt nur in Unendlichstellung


richtig.  http://forum.geizhals.at/t642981,5500882.html#5500882


"völliger Quatsch" ist die Aussage trotzdem nicht. Brennweite ist immer gleich Brennweite, ohne Wenn und Aber.

Wenn bei Aufnahmen mit verschiedenen Objektiven der Bildausschnitt trotz gleichem Motivabstand und gleicher Sensorgrösse nicht exakt gleich ist, dann sind die Brennweiten nicht gleich. Insbesondere, wenn die verwendete Brennweite in der Enstellung von Zoom-Objektiven sind, gibt es keine Ausreden von wegen dass die Markierung am Objektiv nicht genau sei etc. etc.

Die einzige offene Frage ist dann nur noch, ob die Abweichungen mehr auf Unterschiede inder Objektiv-Konstruktion oder auf irreführende Angaben der Hersteller zurückzuführen sind. :-)

Für mich liegen die Differenzen im vorliegenden Test primär in falschen Angaben der Hersteller. Wenn es nämlich konstruktiv bedingt wäre, dann müssten die Abweichungen alle in eine Richtung gehen. Hier haben wir aber das gewohnte Bild, dass bei Zooms die "kurze" Endstellung nicht so kurz ist, wie angegeben und die lange "lange" Endstellung nicht so lang wie angegeben. Das deute ich als klaren Hinweis, dass die Hersteller ihre Brennweitenangaben für die Endstellungen von Zooms (und teilweise auch bei Festbrennweiten) bewusst und in irreführender Absicht "schönen".

Es gibt nur wenige Hersteller, die auf ein Objekktiv 43mm oder 77mm schreiben (z.B.Pentax ... aber auch nur bei bei den "Limited") ... die anderen verkaufen das Zeug doch ungeniert als 40mm und 80mm. >:-(


Schon die Konvention, die Brennweite "bei unendlich" anzugeben, ist aus fotografischer user-Sicht völlig irrelevant, weil es ausser astronomischen Objekten nichts im Universum gibt, was man auf "unendlich" fokussieren könnte oder müsste. ;-)

Eine alternative Norm zur Brennweitenangabe ist aber leider auch nicht ganz leicht zu finden, denn: welche Entfernung nehmen wir denn dann? Ich würde am ehesten dafür plädieren, dass sich die Brennweitenangabe auf die 100fache Entfernung der Brennweite beziehen sollte.
Also z.B.
* Brennweite 10mm -> muß bei 1m Motivabstand [den würde ich immer bis zur Frontlinse angeben, das ist auch für Laien leicht zu messen ;-)]
* 100mm => 10m
* 600mm => 60m.

Ist aber natürlich ein Sack voller Flöhe, den man da aufmachen würde ... 8-O :-) ;-)  Aber Institutionen, welche die normgerechte Gurkenkrümmung definieren, messen und kontrollieren können, sollten dazu wohl auch in der Lage sein. >:-D


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Re(10): Brennweite ist nicht gleich Brennweite
02.06.2009, 11:51:28
eine Definition welche eine der wichtigsten Eigenschaften [Brennweite] eines der wesentlichsten Bestandteile jeder fotografischen Ausrüstung [Objektive] unter einer Bedingung ermittelt, welche für alle Fotografen [ausser Astro-Fotografen] absolut irrelevant ist ["Unendlichstellung"] macht für mich keinen Sinn.

Auch wenn ich in der Praxis damit durrchaus leben kann ... Sinn macht es User-/Fotografensicht trotzdem keinen.

99,9% aller Fotos weltweit [abgesehen von Makro-Aufnahmen, die lassen wir einmal samt Makro-Objektiven und sonstigen Spezialfällen aus dem Spiel] werden zwischen der Naheinstellgrenze und der hyperfokalen Distanz aufgenommen. Und vermutlich werden 99,8% aller Fotos bei Distanzen zwischen 1m und 100m aufgenommen. Und nur ganz ganz wenige, die mit ihren 70-300mm Zooms [in Wahrheit vermutlich 88-237mm Zooms] den Mond ablichten, fokussieren jemals auf "unendlich".  

Dieser Umstand sollte sich m.E. in einer *für uns Fotografen sinnvollen* Definition der Brennweitenangaben auf Objektiven wiederfinden.

Die Hersteller können dann von mir aus ihre Brennweitenangabe  bei "unendlich" gerne in die Spec-Sheets schreiben, ganz weit unten nach den ebenfalls großteils bewusst irreführenden MTF-Werten [z.B. rein rechnerisch für eine Objektivbauart ermittelt!] und seitenweise "Kleingedrucktem".  >:-D

Um noch einen vergleich zu bemühen: Brennweitenangaben bei "unendlich" sind für mich ungefähr so, wie wenn man Autos mit unrealistisch niedrigen Verbrauchsangaben verkaufen würde, welche nur unter ganz bestimmten Laborbedingungen erreichbar sind und mit dem Strassenverkehr in der Realität genau Null zu tun haben. Was, das gibt es??? 8-O Na, dann ist wohl es höchste Zeit, auch das zu ändern! :-)


----------------
Pro Million Menschen, die sich gerne einfach und immmer mit allem zufrieden geben, wie es ist, braucht es mindestens einen wie mich, der sich mit nichts zufrieden gibt, wie es ist. Sonst würden wir noch immer auf den Bäumen leben.  >:-D :-)


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